Lektion 1


Soziale Wahrnehmung

Wie Sie als Gästeführer positiv wahrgenommen werden


Vorbereitungen - was brauchen Sie?

  • Blatt Papier
  • Stift
  • Textmarker
  • Smartphone oder Ganzkörperspiegel
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Los geht´s

Los geht´s - noch nicht ganz!

 

Starten Sie unsere erste Lektion mit einem kurzen Exkurs:

 

 

Sie als Gästeführer begeistern genau wie Gigi auch gerne andere Menschen für Ihr Thema!

 

Was Sie tun können, um dabei noch positiver und kompetenter wahrgenommen zu werden, erfahren Sie in dieser Lektion!

 

 

Soziale Wahrnehmung

 

Was umgangssprachlich als „sich ein Bild vom Anderen machen“ bezeichnet wird, heißt in der Fachsprache soziale Wahrnehmung. Ähnlich eines Puzzles setzt sich dieses Bild vom Anderen aus verschiedenen Teilen zusammen.

 

Das sind zum einen beobachtbare Merkmale an und das Verhalten der beobachteten Person. Aber auch Voreinstellungen des Beobachters beeinflussen dessen Bild vom Gegenüber.

 

Als Gästeführer kommen Sie berufsbedingt häufig in die Situation, dass andere sich ein Bild von Ihnen machen. Dieser Prozess läuft bei Ihren Gästen weitgehend unbewusst und automatisch ab und der erste Eindruck beeinflusst in weiteren Bereichen erstaunlich viel.

 

Vielleicht haben Sie dies auch bei sich selbst feststellen können, als Sie zu Beginn der Lektion die Bilder nach den vorgegebenen Kriterien bewertet haben. Hatten Sie gleich ein Bauchgefühl was die Sportlichkeit, Sympathie etc. betrifft? Dann geht es Ihnen wie den meisten Menschen. Wie Sie bei anderen ein positives Bauchgefühl erzeugen und richtig gut ankommen, erfahren Sie jetzt.

 

Sie lernen einen Trick kennen, um Sympathiepunkte zu sammeln. Daran anschließend erfahren Sie, welches äußere Merkmal die wahrgenommene Glaubwürdigkeit und Kompetenz steigen lässt. Zuletzt gibt es zur Auffrischung Tipps für eine positive non- und paraverbale Ausdrucksweise.



Aufgabe

1. Sympathiepunkte sammeln. So klappt´s!

 

Ähnlichkeit herstellen

 

Gleich und gleich gesellt sich gern – oder ist einander zumindest sympathischer. Wenn Menschen Ähnlichkeiten zwischen sich und ihrem Gegenüber entdecken, schätzen sie diesen positiver ein. Diesen similar-to-me-Effekt können Sie sich bei Ihren Gästeführungen zu Nutze machen, indem Sie gezielt auf das aufmerksam machen, was Sie mit Ihrem Publikum verbindet.

 

Tipp: Weil diese Ähnlichkeit auch eine für das Thema der Gästeführung völlig irrelevante Dimension betreffen kann (z. B. Hobbies, Beruf oder Herkunft), eignet sie sich prima als Eisbrecher zu Beginn. 

 

Aus Ihren Buchungsunterlagen lässt sich mitunter mehr dazu rausziehen, als man denkt. Suchen und finden Sie Ähnlichkeiten - und sammeln Sie Sympathiepunkte!

 

 

2. Wie Sie noch kompetenter und glaubwürdiger wirken!

 

Zum Einstieg in diese Lektion haben Sie die Sympathie und (berufliche) Kompetenz zweier Personen anhand von Bildern auf einer Skala von 1 bis 10 beurteilt. Dies ist nicht ohne Grund geschehen.

 

Denn sowohl Sympathie als auch Kompetenz sind Merkmale mit einer sogenannten Signalfunktion. Das heißt, dass sie einen starken Einfluss auf die soziale Wahrnehmung nehmen.

 

Berufsangemessene Kleidung

 

Im Alltag kommen Menschen häufig in die Situation, dass Sie sich schnell ein Bild vom anderen machen müssen. Gerade im Punkto Kompetenz fehlt dabei oft die Zeit, diese anhand geeigneter Kriterien wie z. B. einer eingehenden Prüfung der beruflichen Qualifikation zu bewerten. Stattdessen werden äußere Merkmale herangezogen, die Kompetenz vermuten lassen.

 

Ein solches Merkmal ist eine berufsangemessene Kleidung. Wenn Sie  beispielsweise eine Urlaubsreise per Flugzeug antreten, werden Sie wahrscheinlich von der Berufskleidung der Besatzung auf deren Kompetenz schließen, Sie sicher zu Ihrem Urlaubsort zu bringen. Weniger wahrscheinlich ist, dass Sie den Piloten bitten, seinen Flugschein vorzuweisen. Ein Pilot in Jogginghosen würde Sie aber vermutlich ziemlich irritieren.

 

Ergo: Wer berufsangemessen gekleidet ist, dem wird mehr Expertise  zugeschrieben.

 

Überlegen Sie, welcher Kleidungsstil bei Ihren Gästeführungen als angemessen erlebt werden könnte.

 

 

3. Non- und paraverbal Positivität ausstrahlen!

 

Als soziale Wesen kommunizieren Menschen auch dann, wenn Sie nicht miteinander sprechen. Diese Art der nonverbalen Kommunikation reicht redensartlich vom „Knistern in der Luft“ bis hin zu „Blicken, die töten können“. Im Gespräch oder auch beim Präsentieren von Inhalten sind die nonverbal ausgesendeten Signale oft noch ausschlaggebender als die Inhalte des Gesagten.

 

Nonverbales Verhalten bezeichnet eine bewusste oder unbewusste Kommunikation ohne Worte. Auch paraverbale Merkmale, also Eigenschaften Ihrer Stimme und des Sprechverhaltens wirken sich auf die soziale Wahrnehmung aus.

 

Wir wissen, dass Sie das wissen - trotzdem hier noch einmal, weil es so wichtig ist, die zentralen Aspekte:

 

 

Blickkontakt

 

Ein Blick sagt bekanntlich mehr als 1.000 Worte. Und nicht nur das. Blickkontakt wirkt sich gleich in mehrfacher Weise positiv auf die soziale Wahrnehmung aus.

 

Personen, die Blickkontakt halten, werden insgesamt positiver beurteilt und als kompetenter, glaubwürdiger, weniger ängstlich und nervös sowie umgänglicher wahrgenommen. Scheuen Sie sich also nicht, Ihren Gästen in die Augen zu sehen.

 

 

Lebhafte und ausdrucksvolle Mimik

 

Wussten Sie, dass eine lebhafte und ausdrucksvolle Mimik ansteckend ist und sich in positiver Weise auf die Stimmung Ihres Gegenübers auswirken kann? Probieren Sie es doch einfach bei Ihrer nächsten Gästeführung einmal aus, indem sie z. B. ausgewogen und bedacht das Gesagte mimisch untermauern.

 

 

Lächeln

 

Durch ein natürliches Lächeln, das das Gesagte unterstreicht und in der Situation angemessen ist, sammeln Sie nicht nur Sympathiepunkte bei Ihren Gästen, sondern wirken in Ihrer Erzählweise auch mitreißender.

 

 

Sprechverhalten

 

Wer schnell spricht, der wird von anderen auch als besonders kompetent wahrgenommen. Aber Vorsicht: bei einer zu hohen Sprechgeschwindigkeit verlieren Sie Sympathiepunkte und die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörer. Bei der Sprechgeschwindigkeit führt die goldene Mitte zum Ziel: der ungeteilten Aufmerksamkeit Ihrer Gäste.

 


Puuh. Ganz schön viele Informationen...

 

Die folgende Checkliste bündelt die Informationen und Sie sehen auf einen Blick, an welchen Stellschrauben es sich zu drehen lohnt.



Ihnen juckt es bereits unter den Fingern und Sie wollen die Wirkung der Tipps in der Praxis testen und umsetzen? Prima, dem steht nun nichts mehr im Weg.

 

Platzieren Sie die Kamera Ihres Smartphones so, dass Sie gut darauf zu sehen sind. Starten Sie dann die Videofunktion. Sprechen Sie eine circa einminütige Passage Ihrer Gästeführung. Wenn Sie mit der Begrüßung starten, können Sie auch direkt "die Ähnlichkeit herstellen". Sehen Sie sich die Aufnahme anschließend mit der Checkliste noch einmal an.

 

Sie haben kein Smartphone? Kein Problem!

Stellen Sie sich vor den Spiegel und sprechen Sie circa eine Minute lang, wie Sie es üblicherweise mit Ihren Gästen bei Führungen tun. Versuchen Sie dabei bewusst auf die Aspekte der Checkliste zu achten und sich Ziele für die nächste Führung zu setzen.

Sie fragen sich, wie Sie ganz allein vor der Kamera den Blickkontakt üben sollen? Ganz einfach: zeichnen Sie auf fünf Blätter jeweils ein Mondgesicht (Punkt, Punkt, Komma, Strich - Sie wissen schon) und verteilen diese Blätter im Raum. Komisch? Sicher, aber dann kommt auch das Lächeln von ganz allein.



Fazit

Zu Beginn der Lektion haben Sie soziale Wahrnehmung im Selbstversuch erlebt, als

Sie zwei Bilder nach vorgegebenen Kriterien bewerten sollten. Wie schnell und automatisch ein Bild vom anderen entsteht, wissen Sie nun.

 

Werfen Sie nun noch einmal einen Blick auf Ihre Bewertung. Haben Sie intuitiv die linke Person "besser" bewertet als die rechte? Auf den zweiten Blick hätten Sie die Personen sicher differenzierter betrachtet. Vielleicht wären wir dann  zu dem Schluss gekommen, dass die rechte Person auch ein erfolgreicher Banker sein könnte, der nach seinem Marathontraining seinem an Liebeskummer leidenden besten Freund einen Männerabend mit Chips und Hamburgern versprochen hat. Oder die rechte Person fürchterlich unsportlich ist und nur für Instagram ein gutes Foto brauchte.

 

So oder so - das Bild vom anderen entsteht schnell und automatisch. Nutzen Sie dieses Wissen für sich, um in Zukunft noch besser anzukommen! Mit einem schnellen Blick auf die Checkliste können Sie das gewonnene Wissen nun jederzeit auffrischen.



Extra-Tipp

Nicht nur Sie als Person, sondern auch der Ort, an dem Sie Ihre Gäste in Empfang nehmen, nimmt Einfluss auf die soziale Wahrnehmung. Denn auch von äußeren Umständen wird auf die Person geschlossen.

 

Wählen Sie diesen Ort also mit Bedacht aus und starten Ihre Gästeführung beispielsweise vor dem imposanten Rathausgebäude Ihrer Stadt oder einem besonders eindrucksvollen Gemälde!

 

Es gibt bei Ihnen schon festgelegte Startpunkte? Auch hier lohnt es sich, einmal kurz zu schauen, ob man vielleicht mit wenigen Schritten ein angenehmeres Umfeld schaffen kann. Und das gilt auch während der Führung. Mitunter achtet man eben im Eifer des Gefechtes nicht darauf, dass der volle Mülleimer vielleicht nicht der netteste Ort ist, sich und seine Stadt zu präsentieren.



Ausblick

In Lektion 2 geht es um´s Lernen bei Gästeführungen - und warum das etwas ganz Anderes ist als in der Schule.